Kind und Karriere lässt sich vereinbaren
Persönliches

Wenn ich ein Kind bekomme, ist meine Karriere vorbei…. Oder etwa nicht?

Was macht frau sich nicht alles für Gedanken, wenn es um die Entscheidung für ein Kind geht. Das ist ja auch richtig so. Schließlich ist die Entscheidung Kinder zu bekommen eine der weitreichendsten Entscheidungen zumindest in meinem Leben. Ich kann mir so schnell nichts vorstellen, was mein Leben mehr auf den Kopf gestellt hat. Doch ein Gedanke ist zumindest aus heutiger Sicht in diesem bunten Gedankenkarusell echt fehl am Platz: Wenn ich ein Kind bekomme, ist meine Karriere vorbei.

Fakt ist: Mütter verdienen deutlich weniger Geld als Väter

Ja, die Fakten zu diesem Thema spiegeln das nicht ganz so eindeutig wider, wie ich mir das wünschen würde. Das muss selbst ich zugeben.

Müttern sind in Führungspositionen seltener anzutreffen als im allgemeinen gesellschaftlichen Schnitt. Der Gender Pay Gap ist bei Müttern noch ausgeprägter. Während Männer durch Kinder tendenziell mehr verdienen, sinkt der Verdienst bei Müttern. Nur noch mal zur Erinnerung: es wird das Einkommen auf Vollzeit gerechnet verglichen! Die Bertelsmann-Studie dazu kann einen echt frustrieren. Zumindest zu Beginn meines beruflichen Lebens wirkte es oft, als ob eine Frau (fast) nur ohne Kinder wirklich Karriere machen kann. In den letzten Jahren hat sich das meiner Meinung nach schon deutlich verändert. Aber es ist ganz sicher noch Luft nach oben. Das will und kann ich leider nicht bestreiten.

Dinosaurier-Firmen haben Mütter nicht verdient

Es gibt tatsächlich auch heute noch Firmen, bei denen Kinder bekommen für den weiblichen Teil der Belegschaft bedeutet, dass die Karriere vorbei ist. Doch Firmen, in denen das im 21. Jahrhundert immer noch so ist, haben das Können und Wissen von Müttern gar nicht verdient. Ich gehe sogar so weit zu sagen, die haben gar keine kompetenten Mitarbeiter:innen verdient. Wenn das bei deiner Firma so ist, ist meine dringende Bitte – egal ob du Mutter bist oder nicht: Nimm die Beine in die Hand! Es gibt sie, die Firmen, die es wertschätzen, wenn Menschen auch außerhalb des Büros Verantwortung übernehmen. Ja, es gibt sogar Firmen, die Mütter mit kleinen Kindern neu einstellen.

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Wie es mit Kindern eben auch laufen kann

In anständigen Firmen (oder als Selbständige) ist deine Karriere eben nicht zwangsläufig vorbei, sobald du ein Kind (oder gar mehrere) bekommst. Egal, ob du noch vor dem Berufsstart Kinder bekommst oder erst nach den ersten Karriereschritten, das Mutterwerden muss nicht das Ende deiner persönlichen Karriereleiter bedeuten. Dein Kind oder deine Kinder können dir im Gegenteil sogar helfen, die für eine Führungsrolle nötigen Soft Skills zu trainieren. So bist du als Mutter sogar die bessere Führungskraft, als du das ohne gewesen wärst.

Kind und Karriere lässt sich vereinbaren
Mit den richtigen Rahmenbedingungen lassen sich Kind und Karriere nicht nur vereinbaren sondern können sich gegenseitig bestärken. (Foto von Ketut Subiyanto von Pexels)

Wichtig für Frauen ist nicht nur die Wahl des Arbeitgebers sondern auch des Partners 

Im Buch „Lean in“ spricht Sheryl Sandberg, die seit 2008 COO von Facebook ist, davon, dass es für Frauen im Bezug auf Karriere zwei wichtige Entscheidungen gibt – die Wahl des Arbeitgebers und die Wahl des Partners. Auch wenn ich das nicht zu 100% unterschreiben würde, spricht sie zwei wichtige Punkte an. Den ersten Punkt, die Wahl des Arbeitgebers, habe ich schon angerissen. Ich finde es tatsächlich unheimlich wichtig, dass alle Arbeitnehmer:innen bei der Wahl ihrer Arbeitsstelle darauf achten, wie dort mit Menschen umgegangen wird.

Wird Diversity wirklich wertgeschätzt, kann ich mich mit meiner ganzen Person einbringen oder muss ich meine sexuelle Orientierung, meine Elternschaft oder sonst irgendeinen Aspekt bitteschön zuhause lassen? Und wenn es bisher tatsächlich ausschließlich weiße, heterosexuelle, deutsche Männer in der Geschäftsführung gibt, wie wichtig ist es der Firma das zu ändern? Wie offen und gegebenenfalls lernbereit ist die direkte Führungskraft? Das alles sind Fragen, die ich mir stellen würde, die ich mir gestellt habe.

Karriere für Frauen – mit und ohne Partner möglich

Beim zweiten Punkt kann ich nicht uneingeschränkt zustimmen. Ja, ich finde, dass ein „richtiger“ Partner oder eine „richtige“ Partnerin es unheimlich erleichtern können, Karriere zu machen. Ja, ich weiß leider auch, dass wenn der “falsche” Mensch an der Seite einer Frau diese auch unheimlich ausbremsen kann. Deshalb bekommt diese Aussage auch ganz viel Zustimmung von mir. Als Frauen sollten wir auch bei der Partnerwahl genau hinschauen.

Frau am Laptop mit drei Kinder außenrum
Ohne Unterstützung eines Partners oder eines starken sozialen Netzes ist Karriere mit Kindern oft eine Überforderung. (Foto von Gustavo Fring von Pexels)

Aber ich glaube, dass Frauen auch ohne Partner Karriere machen können. Ich persönlich weiß, dass mein beruflicher Weg sehr viel schwerer und komplizierter gewesen wäre, gäbe es den Mann an meiner Seite nicht. Ich bin auch absolut davon überzeugt, dass es echte Gleichberechtigung im Beruf nur dann geben kann, wenn diese auch zuhause bei der Verteilung der Hausarbeit, der Care Arbeit, des Mental Loads gelebt wird. Dennoch kann ich wie gesagt nicht uneingeschränkt zustimmen. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass es auch ohne einen solchen Partner gehen kann und vor allem gehen sollte. Ist er oder sie vorhanden, können viele Aufgaben leichter geteilt werden und ich weiß, dass das Fehlen eines Partners es für Allein- oder Getrennterziehende sehr viel schwerer macht.

Doch ich weiß auch, dass wir als Gesellschaft es uns nicht leisten können, auf so viele tolle Menschen in der Wirtschaft einfach zu verzichten. Wir müssen alle miteinander dafür sorgen, dass Karriere nicht nur für Menschen in Paarbeziehungen funktioniert. Wie kann es also auch ohne Partner:in mit der Karriere klappen? Die Arbeitsteilung, die in einer „idealen“ Partnerschaft durch die andere Person ermöglicht wird, muss anders realisiert werden. Es braucht ein stabiles Unterstützungsnetzwerk aus verlässlicher familienergänzender Betreuung, Nachbarn, Freundinnen, Bekannten. Und dann müssen wir alle in der Wirtschaft unseren Teil dazu beitragen, dass Karriere auch dann möglich ist.

Meine Vorbilder: Erfolgreiche Mütter auf Instagram, LinkedIn&Co. …

Egal in welcher Situation du gerade bist, ich will dir ans Herz legen, dir selbst Vorbilder zu suchen. Dank der sozialen Medien ist es immer leichter Menschen, zu finden, die in einer ähnlichen Situation waren und nun schon einen Schritt weiter – lass dich von ihnen inspirieren. 

Ich finde es so bereichernd zu sehen, was andere Mütter erreicht haben, wie sie ihre Karriere und ihre Familie ausbalancieren. 

Da gibt es wirklich für jede Mutter Inspiration, von ziemlich bekannt bis eher unbekannt, die unterschiedlichsten Branchen und Geschichten: 

  • Da gibt es Unternehmerinnen wie Verena Pausder (LinkedIn, Instagram, Website), die mit Patchworkfamilie in der ersten Corona-Hochphase einen Bildungs-Hackathon auf die Beine gestellt hat und auch sonst für digitale Bildung von Kindern brennt. 
  • Es gibt Mütter, die eher aus einer Not heraus Unternehmerin wurden, wie Ruth Abraham (Instagram, Website), die feststellte, dass es das, was sie sich gewünscht hätte – Begleitung auf dem Weg der friedvollen Elternschaft – nicht gab. Eine passende Betreuung für das Kind gab es auch nicht. Also hat sie mit dem Kompass ein Unternehmen gegründet, das genau diese Begleitung bietet ih. Dieses versorgt inzwischen ihre 5-köpfigen Familie so, dass die fehlende Betreuungsmöglichkeit kein Thema mehr ist.
  • Es gibt Frauen, die es nach ganz oben in der Konzernwelt geschafft haben und Mutter sind, wie Janina Kugel (LinkedIn, Twitter, Instagram). Sie teilt sehr wenig über ihr Privatleben – wer dazu Inspiration braucht, sucht besser woanders…
  • Bei manchen sprach so viel gegen den Erfolg – wie bei Aynur Boldaz-Özdemir (Unternehmen, Instagram). Sie kam ursprünglich ohne Deutschkenntnisse aus Ostanatolien nach Deutschland. Sie hat dann als alleinerziehende Mutter ein (Sozial-)Unternehmen gegründet, das Diversity durch und durch lebt. Es beschäftigt beispielsweise 35% Menschen mit Behinderung.
  • Bei vielen Müttern haben erst die Kinder den Ausschlag gegeben haben, karrieretechnisch anders als bisher durchzustarten. Oft hat der bisherige Job einfach nicht mehr gepasst, wie bei Judith Peters (Website, Instagram, LinkedIn) oder bei Lena Busch (Website, Instagram) und ihren Kundinnen.
  • Manche lassen die Erfahrungen direkt einfließen in ihren Beruf – wie beispielsweise Nora Imlau (Website, Instagram) als Autorin von Elternratgebern.
  • Bei vielen ist der Einfluss wohl ganz indirekt wie bei Kenza Ait Si Abbou (LinkedIn, Website, Instagram). Sie leitet bei der Telekom als Senior Manager für künstliche Intelligenz den Bereich Robotics und AI Solutions.

Ich könnte die diese Liste noch lange fortsetzen – es gibt wirklich soo viele inspirierende Mütter. Man könnte einen ganzen Blog füllen mit ihren Geschichten und die Bandbreite ist überwältigend..

…und in der analogen Welt

Gleichzeitig empfehle ich aber auch, nicht nur in den sozialen Medien nach Vorbildern zu suchen. Wir wissen alle, dass wir dort nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekommen. Versuche in deinem direkten Umfeld Gleichgesinnte zu finden. In meinem Unternehmen gibt es ein ganz wunderbares Frauennetzwerk (heratec). Dort habe ich schon viele inspirierende Frauen und eben auch Mütter kennengelernt. Und schließlich sind sie auch in meinem Freundeskreis zu finden.

Mach dich auf die Suche nach solchen Frauen. Es tut gut mit anderen Müttern zu sprechen, die ihre Karriereambitionen und ihre Liebe zu den eigenen Kindern unter einen Hut bringen wollen. Lass dich von ungefilterten Erfolgsstories begeistern. Teile die Aufregung vor einem nächsten Schritt. Freu dich über ungeschönte Berichte aus dem Alltag einer Karrierefrau mit Kindern.

Ja, da wirst du immer wieder auch hören, dass es dabei schwere Tage gibt, an denen nichts läuft wie erhofft und geplant. Doch du wirst auch merken, dass diese Tage nicht bedeuten müssen, dass du aufgeben musst. Letztlich glaube ich, dass gerade auch diese Tage, die uns so schwer vorkommen, uns stark machen. Wenn wir sie mit anderen teilen gilt das für alle. Und diese Stärke kann uns mit unseren Kindern und bei unserer Karriere weiterbringen!

2 Comments

  • Susanne

    Sehr schöner Artikel, jede muss den Weg finden, der zu ihr passt, wenn wir Mamas und aber gegenseitig unterstützen geht vieles leichter.

    Sehr gut finde ich, dass du von familienergänzender Betreuung schreibst. Ich finde den Begriff Fremdbetreuung nämlich ganz furchtbar. Die wunderbaren Pädagoginnen, die meine Kinder begleiten, seit sie 14 Monate alt sind, sind mit Sicherheit nicht fremd – Und dass sie nicht verwandt sind, ist den Kindern wirklich egal 😉

    Liebe Grüße aus Österreich

    Susanne

    • Veronika

      Danke Susanne!
      Genau, das denke ich mir bei dem Wort auch immer, das klingt, als ob ich zu IKEA gehe und mein Kind im Smaland abgebe bei wem auch immer. Wenn die eigenen Eltern nicht nebenan leben, dann sind die Bezugspersonen aus der Betreuung sogar für ganz Kleine oft vertrauter als es die Großmutter oder der Opa wäre.
      Liebe Grüße zurück,
      Veronika

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