Mein Jahresrückblick 2020: Ein großes Auf und Ab, aber vor allem Auf!
Retrospektiven

Jahresrückblick 2020: Ein großes Auf und Ab. Aber vor allem Auf.

Was für ein Jahr. Selbst die vorauschauendsten Menschen, die ich kenne, hätten wohl nicht mit so etwas gerechnet. Ich selbst wohl am allerwenigsten. Dabei habe ich mir dieses Jahr sogar überlegt “mit was ich eigentlich rechne”. Wie wenig das Jahr mit dem zu tun hatte, mit was ich gerechnet hatte, wird mir erst im Rückblick klar.

Dieser Jahresrückblick ist der erste, den ich schreibe. Hoffentlich ist es der erste in einer langen Reihe von Rückblicken. Doch wie komme ich überhaupt darauf? Sollte ich mich nicht fragen, ob so ein persönlicher Jahresrückblick denn überhaupt jemanden interessiert? 2020 war ein besonderes Jahr, weltweit, aber auch für mich persönlich – #leadlikeamom startete endlich. Schon allein deshalb will ich festhalten, was dieses Jahr für mich so besonders gemacht hat.

Jahresplanung mit Folgen? Das erste Mal “Planen” und dann kommt so ein Jahr.

Wenn ich an den Jahresanfang zurück denke, muss ich wirklich schmunzeln. Denn dieses Jahr war auch das erste, bei dem ich so etwas wie eine Jahresplanung gemacht habe. Ich habe mir zum ersten Mal richtige Ziele gesetzt, habe überlegt, was mein Wort für das Jahr sein könnte und habe sogar zusammen mit meinem Partner überlegt, was im kommenden Jahr auf uns zukommt und was wir so erreichen wollen – beruflich und privat.

Ja, und dann kam 2020.

Wenn ich jetzt irgendwie abergläubisch oder so wäre, müsste ich mich wohl bei der ganzen Menschheit entschuldigen. Wenn (grobes) Planen meinerseits so eine Wirkung hatte – was passiert dann erst wenn ich einen Jahresrückblick schreibe? Ich weiß es nicht, aber wenn ihr das hier lest, haben wir alle die Chance es rauszufinden :-).

Mein Wort für das Jahr 2020 – etwas verhalten festgelegt, aber im Rückblick trotzdem irgendwie passend.

Ich habe es oben schon angedeutet, ich hatte mir ein Wort für das Jahr 2020 überlegt – es war das Wort “Shine”, ich wollte mich mehr zeigen, meine Themen in die Welt tragen, zeigen, wofür ich stehe. Wie passend das Wort gewählt war, seht ihr schon daran, dass ich das gar nicht weiter kommuniziert habe – denn das könnte ja bedeuten, dass jemand beurteilen könnte, ob ich diesem Motto gerecht werde, ob ich nicht schon genug scheine bzw. Raum einnehme oder oder… Es war ein ganz zaghaftes „Shine“. Ich habe es im Laufe des Jahres dann auch prompt wieder vergessen und doch merke ich jetzt in der Rückschau, dass es an vielen Stellen ein passendes Motto war. Ich will auf jeden Fall für nächstes Jahr wieder ein Wort auswählen und diesmal auch öffentlich machen, doch dazu später mehr.

Das Jahr erinnert mich aufgrund der Corona-Pandemie oft an eine Riesenradfahrt.

An einem Thema kommt wohl kein Jahresrückblick 2020 vorbei. Corona hat so viele Pläne über den Haufen geworfen, hat uns aus dem Gewohnten rausgerissen. Ja, es war ohne Frage DAS prägende Thema.

Für mich hat sich das Ganze im Frühjahr angefühlt als ob ich in einem Flugzeug oder in einer Rakete sitze, gerade angefangen durchzustarten und dann werde ich ausgebremst. Von Vollgas auf null. Die Kinder waren plötzlich alle zuhause. Kurz danach erfolgte auch bei mir eine Betriebsschließung und so fand das Arbeiten (eh schon im Homeoffice) ein abruptes Ende für knapp zwei Wochen. Danach waren die Kinder immer noch zuhause und ich in Kurzarbeit mit nur noch zwei Arbeitstagen in der Woche. Wir mussten uns alle an den neuen Alltag mit Homeschooling und Homeoffice gewöhnen.

2020 – eher eine Riesenradfahrt als ein Raketenstart, wir genießen einfach die Aussicht!

Fast zeitgleich mussten wir uns dann auch von unserem Aupair verabschieden. Karen war seit Anfang Mai 2019 ein Teil unserer Familie und sollte uns planmäßig Ende April verlassen. Vor allem unser Jüngster hing sehr an ihr, war sie doch nach uns Eltern die Hauptbezugsperson für ihn. Da die Lage bei den Flügen so unsicher wurde, ging sie letztlich schon Anfang April wieder zurück und wir standen ohne Kinderbetreuung für unseren Jüngsten da. Eigentlich hätte eine Nachfolgerin kommen sollen. Doch sie bekam nicht mal mehr einen Termin für die Beantragung eines Visums. Einreisen hätte sie auch mit Visum nicht dürfen.

Es war also auf ganz vielen Ebenen eine Vollbremsung. Doch mit der Zeit bemerkte ich, dass es vielleicht eher wie bei einer Riesenradfahrt war. Ab und zu ging es ein Stückchen voran, dann hielten wir wieder an. Dann noch ein Stückchen und schon wieder Pause. Doch irgendwann kommt bei solch einer Fahrt ja die schöne Sicht, auf dem Jahrmarkt die Ruhe, der Abstand zum Trubel. Genau diese schönen Momente gab es selbst in dieser Krise.

Collage aus 9 bunten Frühlingsblumen im Garten - fotografiert von meinem Großen
Frühlingsblumen im Garten –
Dank der vielen Zeit zuhause haben wir unseren Garten neu kennen- und schätzen gelernt.
(alle Bilder vom Ältesten – er hatte in der Zeit ein neues Hobby)

Wir haben als Familie das Glück, dass wir einen schönen Garten haben, am Dorfrand in Laufweite (selbst für den Dreijährigen) zum Wald wohnen und wir Eltern mussten uns in der ganzen Zeit keine Sorgen um unsere Jobs machen. Wir waren wirklich in einer extrem privilegierten Lage. Die Jungs haben sich nach wenigen Tagen an die Situation gewöhnt. Die Schule haben sie erstaunlich lange fast gar nicht vermisst. Statt mit den Freunden haben sie eben mit den Brüdern gespielt. Sie haben sich so selten gestritten, wie ich das sonst nicht kenne (kleiner Spoiler: jetzt in der zweiten Welle geht es nicht ganz so harmonisch bei uns zuhause zu…). Gelernt haben sie vermutlich nicht weniger, nur eben anders. Wir haben gebastelt, im Garten gewerkelt, Dinge aus Holz gebaut, Specksteinfiguren geschnitzt, unzählige Brote gebacken…

Jetzt wo wir mitten in der zweite Welle stecken, kann ich noch viel besser schätzen, wie gut wir durch die erste Welle kamen. Diesmal ist es ganz anders und doch irgendwie gleich. Bei der Riesenradfahrt sind wir wohl gerade unten im Gestänge. Vieles ist für mich persönlich diesmal härter. Es ist Winter, es ist dunkel. Das ist schon in “normalen” Jahren nicht meine entspannteste Zeit.

Aber ich weiß aus der ersten Welle, dass wir das schaffen, dass wir stark sind und irgendwie gemeinsam durch diese Zeit kommen. Der Blick aufs Gestänge des Riesenrads, die Stabilität, die da sichtbar wird, beruhigt ja auch irgendwie. Mit diesem Wissen versuche ich über den Dreck im Haushalt, den kreischenden Geschwisterstreit und die enorm gestiegene Medienzeit hinwegzusehen. An manchen Tagen gelingt mir das sogar ganz gut. Dann fällt es mir leicht, mich wieder an die gemütliche Stimmung aus dem Frühjahr zu erinnern und einfach meine Familie zu genießen.

Gemeinsam reist es sich besser, egal ob in der Rakete oder im Riesenrad.

Zu Beginn des Jahres hatte ich mir vorgenommen, wieder mehr Zeit in Beziehungen und ins Vernetzen zu stecken und zu schauen, wo ich mich wie einbringen kann (ihr erinnert euch “Shine” und so…). Im Privaten war es leider so, dass ich mich von Corona zu sehr aus dem “Plan” bringen lassen habe. Wir waren hier häufig mit unserem normalen Alltag schon zu sehr beschäftigt. Ab und zu waren Treffen verboten oder zumindest nicht empfehlenswert. Wenn es eigentlich mal wieder möglich gewesen wäre, habe ich die Organisation dann im Alltagstrubel so lange verpeilt, dass es schon wieder nicht mehr ging. Von virtuellen Treffen hat mich der scheinbare(!!) Planungsaufwand ernsthaft viel zu lange abgehalten.

Umso wertvoller waren die Begegnungen, die dennoch möglich waren: mal ein abendlicher Spaziergang oder sogar gemeinsames Kochen, mal eine kleine Geburtstagsfeier im Park oder letztlich sogar Plätzchenbacken über Skype (selbstverständlich völlig unkompliziert, nix da mit Organisationsaufwand). Das Thema wird mich also auf jeden Fall auch nächstes Jahr begleiten.

Im Beruflichen dagegen lief es besser. Da gab es wirklich viele Veranstaltungen und Austauschmöglichkeiten. Ich kann hier nur auf eine Auswahl eingehen. Im Moment gerade fühlt sich das wie ein anderes Leben an, aber zu Beginn des Jahres waren tatsächlich noch echte Live-Events vor Ort möglich und ich war sogar gleich auf mehreren davon.

Vom GDW (Global Digital Women)-Netzwerk gab es nämlich kurz nacheinander zwei Termine in Stuttgart, die ganz unterschiedliche Themen behandelten. Während es in der Auftaktveranstaltung um persönliche Vorbilder ging, standen im zweiten Event – in Zusammenarbeit mit den finanzheldinnen – die eigenen Finanzen im Vordergrund. Doch kurz nach diesen waren Vorort-Veranstaltungen nicht mehr möglich.

Natürlich haben die Global Digital Women die Umstellung auf virtuelle Formate hervoragend gemeistert. So konnte ich im Laufe des Jahres noch bei mehreren Events dabei sein. Der Höhepunkt war sicherlich das “Faces of Change”-Festival Ende November. Da war wirklich alles dabei von Impuls-Interviews, über Podiumsdiskussion bis zur Live-Podcast-Aufnahme mit Carolin Kebekus und dem Live-Kochen mit Verena Lugert. Das Safran-Risotto muss ich unbedingt noch nachkochen. An dem Abend musste ich zwischendurch leider nach den Kindern schauen und konnte so zuhause nicht mitkochen. Aber die “Werbung” für Safran hat selbst mich als Skeptikerin überzeugt.

Auch unser firmeninternes Netzwerk für Frauen mit technischem Hintergrund heratec hatte noch im Januar eine tolle interaktive Vorort-Veranstaltung mit verschiedenen Führungskräften. Ab März gab es dann ausschließlich virtuelle Formate. Der Austausch mit Vera Schneevoigt war sicher mein persönliches Highlight, was nicht daran lag, dass ich diesen Abend mit organisiert habe, sondern an ihr als Person. Sie ist eine wirklich inspirierende Person. Wenn ihr gerne Podcasts hört, sucht sie doch einfach dort. Sie war schon in mehreren zu Gast und ich fand bisher alle lohnenswert.

Während ich solche eher informellen Treffen, wie wir sie bei heratec haben, wirklich sehr genieße, sieht das mit offizieller Sichtbarkeit oft noch anders aus.

Wenn ich in der Welt oder dem Unternehmen etwas verändern will, ist es gut, wenn ich sichtbar bin.

Wenn ich ganz offiziell etwas in unserem Unternehmen repräsentieren soll, dann fällt mir das nicht immer leicht. Damit meine ich nicht das Halten von Vorträgen oder so. Das mache ich unheimlich gerne. Ergebnisse präsentieren , Prozesse erläutern oder Ideen vorzustellen, das macht mir Spaß. Das kann ich auch recht gut. Doch dieses Jahr sollte es um etwas anderes gehen.

Ich arbeite in unserem Konzern als Agile Master und begleite seit nun zwei Jahren verschieden Projektteams, die sich agil organisieren. Die Arbeit macht mir Spaß und ich habe bis jetzt immer tolle Rückmeldungen bekommen. Da in meinem Bereich noch nicht viele Projekte so arbeiten, habe ich auch immer wieder nebenbei Werbung für diese Arbeitsweise gemacht. Offensichtlich war ich damit wohl auch ganz erfolgreich. Inzwischen sehen immer mehr aus dem oberen Management, dass diese Arbeitsweise viele Vorteile bringt. Auch die Wertschätzung für unsere Arbeit als Agile Master nimmt zu.

Im Sommer wurde ich dann sogar gefragt, ob ich mir vorstellen könnte als Expertin für agiles Arbeiten auf der Forschungsseite der Unternehmenshomepage zu erscheinen. Normalerweise werden dort die unterschiedlichsten Forschenden mit ihren Forschungsthemen vorgestellt. Ich war noch nicht mal auf die Idee gekommen, dass ich mich für solch einen Platz bewerben könnte. Doch die Forschungsleitung wollte auch unsere Arbeit zeigen. Das hat mich natürlich sehr gefreut und so habe ich trotz anfänglicher Zweifel zugestimmt. Inzwischen ist meine Vorstellung mit einem kurzen Interview online und ich freue mich, so das Thema agiles Arbeiten auch im Unternehmen weiter bringen zu können. Ab nächstem Jahr wird es sogar einen Forschungsblog geben, auf dem ich ab und zu Beiträge schreiben werde (allerdings auf Englisch).

Screenshot von www.bosch.com/research – meine Vorstellung als Agile Master.

Überraschender Abschluss meines ersten agilen Projektes

Bei den Projekten, die ich als Agile Master begleite, gab es dieses Jahr auch größere Änderungen. Mein allererstes agiles Projekt wurde überraschend eingestellt. Wirtschaftliche Überlegungen hatten dazu geführt, dass unsere tolle technologische Arbeit leider nicht weiter geführt werden konnte. Auch wenn mir der Abschied von diesem Team besonders schwer fällt, blicke ich dankbar auf die Zeit zurück. Wir konnten uns für diesen Abschluss ausreichend Zeit nehmen, so dass wir alles gut dokumentieren konnten. So können wir in zukünftigen Projekten besser auf das Gelernte zugreifen und wer weiß, ob das Thema nicht auch irgendwann wieder zurück kommt.

Symbolbild fürs Arbeiten im agilen Team
Da ich leider keine Bilder vom Forschungscampus veröffentlichen darf, gibt es hier ein Symbolbild, das allerdings meinem wunderbaren Team natürlich nicht gerecht werden kann.

Für mich stellte sich dann natürlich die Frage, wie es danach weiter gehen würde. Doch sobald klar wurde, dass dieses Projekt – mein bis dahin größtes – abgeschlossen wird, gab es tatsächlich gleich einige Anfragen für weitere. Im Herbst noch durfte ich beginnen ein Team im Bereich Nachhaltigkeit zu begleiten und im kommenden Jahr kommt wieder eines aus der Medizintechnik und eines im Bereich Digitalisierung dazu. Dass das möglich ist, liegt natürlich nicht nur am Wegfall des einen Projektes. Auch meine Elternzeit ist 2020 ausgelaufen. Ab 2021 ist dann auch die coronabedingte Arbeitszeitreduktion vorbei und ich bin wieder bei meinem Vollzeitvertrag. Dann darf ich mit diesen so unterschiedlichen Themen und Teams ins neue Jahr, in neue Abenteuer starten.

Es freut mich sehr zu erleben, dass meine oft unsichtbare Arbeit so wertgeschätzt wird. Ich glaube vor allem Mütter können das nur zu gut nachvollziehen. Solange der Job, sich um die Familie und das Zusammenleben das Team und die reibungslose Zusammennarbeit zu kümmern, erfolgreich gemacht wird, fällt er oft nicht auf. Für mich ist es ein gutes Zeichen, wenn sich an dieser Stelle langsam etwas ändert. Außerdem freut es mich natürlich, wenn ich meine Teams wirklich weiterbringen kann.

Abschied von meinem ersten agilen Team und Neuanfang mit neuen tollen Teams
Der Abschied von meinem Team fiel mir nicht leicht, aber es war trotz allem eine schöne Zeit.

Trotz vieler positiver Rückmeldungen fühle ich mich immer noch wie eine totale Anfängerin. Ich neige dazu immer vor allem die Dinge wahrzunehmen, die ich noch nicht weiß, die ich noch üben will. Dabei übersehe ich oft, was ich schon alles gelernt habe. Doch das hat für mich auch den Vorteil, dass ich mir diesen “zauberhaften” Anfängergeist bewahre. Ich weiß, dass ich immer dazu lernen kann und werde.

Auch für die Kinder gab es dieses Jahr viel Umbruch.

Nicht nur für mich auch für die Kinder gab es diese Jahr einige Abschiede und Neuanfänge. Bei unserem Ältesten ging die Grundschulzeit zu Ende. Bisher war er hier im Dorf in eine eher überschaubare Grundschule gegangen, mit dem neuen Schuljahr stand der Übertritt in die weiterführende Schule an. Diese würde, egal für welche er sich entscheiden sollte, deutlich größer werden. Die Entscheidung für die Schulart war zum Glück sehr schnell getroffen und so musste er “nur” noch zwischen zwei Schulen entscheiden. Das gelang ihm auch ganz gut und so konnte er das letzte Halbjahr seiner Grundschulzeit zumindest davon unbeschwert verbringen.

Der Abschied war natürlich ganz anders als das für andere Jahrgänge bisher war. Aber Schule, Eltern und Kinder haben ihr bestes gegeben, so dass dennoch ein guter Abschied möglich war.

Ein neuer Abschnitt beginnt für zwei unserer drei Kinder.

Der Start in die neue Schule war dann – für mich fast erstaunlich – leicht. Er ist gut in der deutlich größeren Schule angekommen. Nachmittagsschule, Mittagessen in der Mensa, mehr Lärm im Klassenzimmer – das alles fand er gewöhnungsbedürftig. Doch die vielen neuen Fächer, sein netter Klassenlehrer und seine besten Freunde, die in der gleichen Klasse sind, haben ihn auch mit diesen Sachen versöhnt.

Für den Mittleren ging “nur” sein erstes Schuljahr zuende und er startete quasi zum ersten Mal einfach nur in ein neues Schuljahr. Doch ich hatte den Eindruck er war fast aufgeregter als bei der Einschulung. Für ihn hätte die Schule gerne weiter im Fernunterricht stattfinden können. Einzig seine Freunde hat er doch ziemlich vermisst.

Der wohl größte Umbruch war aber bei unserem Jüngsten. In den letzten Jahren wurde er ja immer von uns Eltern oder von den bei uns lebenden Aupairs betreut. Er war immer zuhause und hatte die meiste Zeit des Tages eine 1-zu-1-Betreuung. Ab Mai hätten wir ihn gerne in den Kindergarten, doch durch einige Fehlplanungen der Stadt hier, gab es im örtlichen Kinderhaus keinen Platz für ihn. Wir standen, wie oben schon erwähnt plötzlich sogar ganz ohne Kinderbetreuung da. Glücklicherweise ergab sich dann für Herbst die Möglichkeit ihn in eine neue Naturkindergartengruppe des Kinderhauses zu geben. Seit September ist er also stolzes Kindergartenkind. Die Umstellung war für alle groß, aber er hat es wirklich toll gemeistert. Auch wenn die Betreuungszeit nicht annährend unsere Arbeitszeit abdeckt, ist es natürlich trotzdem eine große Erleichterung. Dank flexibler Arbeitszeiten und verteiltem Arbeiten können wir uns so gegenseitig ermöglichen unserem Job nachzugehen.

Urlaub trotz und ein bisschen auch von Corona

Zwischen den Abschieden und den neuen Anfängen für die Kinder lagen ja noch die Sommerferien. Sie begannen – schon ganz traditionell – mit Essengehen als Familie und dann einem Spaziergang zur Eisdiele. Der gemeinsame Blick zurück aufs vergangene Schuljahr war zwar anders als sonst, aber dennoch für alle positiv.

Die Pause, die uns die Sommerferien boten, hat uns allen gut getan. Für die Kinder hatte sich auch die Coronazeit oft fast wie Ferien angefühlt. Aber eben nur fast. Jetzt in den “echten” Ferien wurde der Unterschied besonders deutlich. Endlich gab es keine Streitigkeiten mehr über die Art und Weise, wie Übungsblätter zu bearbeiten waren, kein Zerreißen zwischen dem Spieledrang des Jüngsten und dem Bedürfnis nach Ruhe UND Unterstützung bei den Hausaufgaben. Dieses Durchatmen tat uns allen gut.

Lange Zeit war nicht klar, wie unser Urlaub dieses Jahr aussehen würde. Wir hatten wie schon in den letzten Jahren mit einer befreundeten Familie gemeinsam Ferienhäuschen auf einem Zeltplatz in Südfrankreich gebucht. Doch das war lange bevor Corona auf die Tagesordnung kam. In den ersten Monaten konnten wir bei dem Zeltplatz niemand erreichen und somit auch nicht stornieren. Zu dem Zeitpunkt, als wir endlich wieder Kontakt aufnehmen konnten, wurde gerade die Reisewarnung für Frankreich aufgehoben.

Also haben wir abgewartet und uns letztlich bei aller Unsicherheit dazu entschieden zu fahren. Wir haben natürlich versucht, dort so wenig Kontakte wie möglich zu haben. Zum Glück ging das mit unseren Häuschen am Rand des Zeltplatzes auch wirklich gut. Die Kinder haben die zwei Wochen sehr genossen. Für sie war es wie eine Insel Normalität in diesem verrückten Jahr. Für uns Eltern war es etwas schwieriger auf diese Insel zu kommen. Wir mussten immer wieder abwägen, was wir machen konnten, wie wir ein mögliches Infektionsrisiko ausschließen konnten. Dennoch hat auch uns dieser Urlaub die Möglichkeit zum Durchatmen verschafft. Ich weiß, dass wir ab März nichts mehr gebucht hätten. Wenn wir im April oder Mai jemanden auf dem Campingplatz erreicht hätten, hätten wir auch auf jeden Fall storniert. Umso dankbarer bin ich, dass wir diese Möglichkeit hatten und wahrgenommen haben.

Sport als dreifache Mutter – braucht es das echt?

Noch vor einigen Jahren (damals sogar mit “nur” zwei Kindern) war meine Antwort auf die Frage, was ich so an Sport mache, meist nur “Ich hab zwei Kinder, das ist genug Sport.” Ja, ich finde immer noch – der Alltag mit kleinen Kindern ist körperlich herausfordernd und gleicht oft einem Fitnessprogramm. Doch erstens werden die Kinder älter, die Zeit, in der ich ständig mindestens ein Kind getragen habe, sind nun wirklich langsam vorbei. Zweitens hatte ich irgendwann den Wunsch etwas gezielter vorzugehen, etwas mehr meine Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. So begann ich nach Jahren von ausschließlichem “Alltagssport” dieses Jahr ganz zaghaft noch wieder mit “echtem” Sport. Ich mache inzwischen mehr oder weniger regelmäßig Yoga. Ich versuche(!) erstmals in meinem Leben Muskeln aufzubauen und merke, dass vor allem in den Armen und dem Bauch echt nur die allernötigsten Muskeln vorhanden sind – ich sage nur “LiegestützeN?!”.

Im Sommer beschließe ich – vielleicht in einem Anflug von Größenwahnsinn – bei einem Handstandkurs mitzumachen. Judith “Sympatexter” Peters behauptet mit ihrem Kurs könnte ich in vier Wochen zum Handstand kommen (und nebenbei noch das Business oder meinen Blog auf den Kopf stellen) und so steht für vier Wochen meine Welt wieder einmal Kopf. Nur diesmal halt so richtig in echt – mit der #händständgäng. Ich muss zugeben, meinem eigenen Anspruch an einen “freien” Handstand werde ich in diesen vier Wochen nicht ganz gerecht, doch mit der Schrankwand als Sicherheit im Hintergrund schaffe ich es tatsächlich.

Handstand vor dem Schrank
Mit der Sicherheit einer Schrankwand traue ich mich tatsächlich hoch in den Handstand und schaffe es irgendwann sogar frei zu stehen ohne vorher an die Wand zu klopfen (davon gibt es nur leider kein Bild. Dieses schlecht beleuchtete mit Selbstauslöser ist quasi das einzige. Nächstes Jahr dann!!)

Und ganz nebenbei erinnert Judith mich an meinen Wunsch vom Jahresanfang. Ich wollte doch mein Thema “#leadlikeamom – was ich durch mein Muttersein für meine Führungsaufgabe lerne” sichtbar machen und einen Blog starten.

Das Projekt #leadlikeamom entsteht.

Also setze ich mich endlich an meine Homepage. Ich versuche WordPress zu verstehen, kämpfe mit einem Perfektionismus, den ich davor nie wahrgenommen habe, und veröffentliche schließlich meinen ersten Artikel.

Dann entscheide ich mich für meinen Claim “Von 0 auf Karriere in 3 Kindern” und veröffentliche weitere Artikel. Vor allem einer zur Bevormundung von Müttern scheint einen Nerv zu treffen. Den Post dazu bei LinkedIn sehen fast 4000 Menschen.

Screenshot der Startseite von #leadlikemom.
Screenshot der Startseite von #leadlikeamom – unperfekt, aber endlich online.

Es gibt 1000 Ideen für Artikel und doch viel zu wenig Zeit zu schreiben. Dabei merke ich immer häufiger wie ich mich verzettele. Ich muss mich immer wieder dazu zwingen einen Schritt nach dem anderen zu tun. Es ist ein ständiger Kampf zwischen meinem Anspruch und der Tatsache, dass ich aber den Kopf nicht so frei habe und den Terminkalender schon gar nicht. Fun Fact am Rande: der eigentliche Terminkalender wäre wohl frei. Das liegt aber daran, dass ich in den letzten Jahren nie einen geführt habe, sondern mich auf meinen Kopf verlassen habe….

Ich muss zugeben, ich war nicht nur ein Mal kurz davor aufzugeben. Doch vor allem meine beiden Mastermind-Buddies, Aline und Susi, motivieren mich immer wieder. Beide kennen die Situation, neben Hauptberuf und Familie noch Zeit zum Schreiben an einem Blog freizuschaufeln. Sie sind mir mit ihrer Energie, Disziplin und Umsetzungsfreude (gibt es das Wort?!) ein großes Vorbild.

Schaut am besten Mal bei ihnen vorbei: Alines Herz schlägt für Persönlichkeitsentwicklung im Schulumfeld. Sie wird mit ihrer Arbeit die Schule von heute und so die Welt von morgen verändern, da bin ich mir sicher. Wenn ihr euch für Themen rund um Schule interessiert, seid ihr bei ihr richtig. Ja, und Susi häkelt die Welt mit ihren wirklich wunderschönen Amigurumi-Tierchen schon heute bunter und fröhlicher und ermöglicht anderen durch ihre Anleitungen es ihr gleichzutun. Falls du – wie ich bis vor kurzem – nicht weißt, was Amigurumi bedeutet, schau auf jeden Fall (trotzdem bzw. erst recht) bei ihr vorbei – es lohnt sich.

Durch ihre Unterstützung kamen die ersten Artikel zusammen und mit diesem Jahresrückblick sogar ein richtig langer. Ja, die Seite ist nicht perfekt, doch sie ist endlich online. Ihr könnt meine Gedanken lesen. Sie können als Diskussionsanstoß dienen. Ich kann Rückmeldungen bekommen und lernen. Das alles ist so viel mehr wert. Better done than perfect – das übe ich mit dieser Seite mehr als je zuvor.

Leben mit Kindern ist Persönlichkeitsentwicklung.

Natürlich gilt das in jedem Jahr und auch nicht nur für mich. Deshalb gibt es ja auch diesen Blog. Kinder zeigen dir Seiten von dir selbst, die du bisher nicht kanntest und die du manchmal vielleicht auch gar nicht unbedingt sehen wolltest. Genau das führt dann bei den meisten Menschen dazu, dass sie sich verändern, weiter entwickeln, neue Standpunkte einnehmen usw. Warum also kommt dieses Thema hier in meinem persönlichen Jahresrückblick des Jahres 2020?

Auch wenn ich noch nicht richtig einschätzen kann, wie groß die Veränderung in diesem Jahr war, hab ich den Eindruck, dass sich wirklich nochmal einiges getan hat bzw. angestoßen wurde. Ich habe so manches grundsätzlich hinterfragt und gemerkt, dass an (zu) vielen Stellen mein Verhalten nicht zu meinen Werten passt. Ich hätte meine Herangehensweise beim Leben mit Kindern schon in den letzten Jahren als bindungs- und bedürfnisorientiert bezeichnet. Doch dieses Jahr hab ich gemerkt, dass ich dabei oft meine Bedürfnisse nicht einmal wahrgenommen habe. Ich trage auch so viele hinderliche Überzeugungen aus meiner eigenen Kindheit in mir. Die stehen mir oft im Weg, wenn ich friedvoll mit meinen Kindern umgehen will.

Bei Ruth Abraham vom Kompass habe ich dieses Jahr so viele wertvolle Impulse mitgenommen. Sie bietet immer wieder kurze Impulswochen an zu unterschiedlichsten Themen. Dabei habe ich erst so richtig gemerkt, dass ich oft nur oberflächlich friedvoll war und meine Beziehung zu meinen Kindern und zu mir selbst dadurch oft gelitten hat. Nicht nur einmal dachte ich, dass ich in einem Jahr wie diesem für so einen Sch… keine Zeit habe. Doch gerade dieses Jahr hat mich nun mal viel zu oft an und über meine Grenzen gebracht. Um so wichtiger, dass ich lerne, diese erstens wahrzunehmen, zweitens zu wahren und drittens so zu wahren, dass ich dabei nicht die Grenzen anderer Menschen einreiße, ihre Integrität verletze. Ein weiter Weg, aber ich möchte keinen anderen gehen.

Von den Wirrungen der eigenen Vergangenheit (und der Menscheitsgeschichte) zu einem friedvollen Miteinander ist es ein weiter Weg. Aber immer wieder bunt wie ein Regenbogen!

Als Reiseführer für diesen Weg habe ich mir den Familienkompass von Nora Imlau zugelegt. Das ist ein wirklich tolles Buch, in dem sie darüber schreibt, wie wir unseren Familienalltag in Einklang mit unseren Werten leben können und was uns im Weg stehen kann oder auch dabei helfen kann. Es gibt sogar die Möglichkeit eine Kreativwerkstatt dazu zu machen. Auch wenn ich diese nur sehr langsam mache (ich bin bei Modul 4 von 8), so macht es mir doch wahnsinnig Spaß und hilft mir ganz neu über viele Themen zu reflektieren.

Wir sind gemeinsam auf dem Weg.

Ich habe ja Kunst in der Schule abgewählt sobald es ging. Nicht weil ich Kunst nicht mag! Aber ich war immer der Überzeugung, ich könne nicht malen oder irgendwie optisch ansprechend gestalten. Doch bei diesen Übungen kommt es ja überhaupt nicht darauf an, am Ende ein tolles “vorzeigbares” Bild zu haben. Ich übe einfach zu machen und plötzlich merke ich – auch ich bin kreativ und die Ergebnisse gefallen mir sogar.

Dank Nora Imlaus Kreativwerkstatt entdecke ich die Freude am kreativen Gestalten.

Was erwartet euch im nächsten Jahresrückblick?

Anfangs hatte ich ja erwähnt, dass dieses Jahr, das erste Jahr war, in dem sich richtig konkrete Pläne gemacht hatte. Man könnte meinen, ich habe eingesehen, dass das keine gute Idee ist. Doch ich bin ja nicht abergläubisch. Nicht mein Planen hat Corona auf den Plan gebracht. Ich glaube sogar, dass mein Planen an vielen Stellen dafür gesorgt hat, dass ich besser durch dieses Jahr gekommen bin als ohne. Auch wenn diese Pläne zu einem großen Teil nicht so eingentroffen sind. Doch ich wusste, was mir wichtig ist und warum. So konnte ich auch bei völlig veränderten Rahmenbedingungen “auf Kurs” bleiben. Also werde ich es auch dieses Jahr wieder versuchen. Die eigentliche Planung werden wir erst zwischen den Jahren und in den ersten Tagen des neuen Jahres machen. Daher gibt es nur einige kleine Teaser, die ich jetzt schon im Kopf habe:

  • Mein Blog wird wachsen. Das Projekt #leadlikeamom steht gerade ganz am Anfang. Ich will im nächsten Jahr in eine richtige Schreibroutine kommen und auch schauen, wie sich das Ganze noch weiter entwickeln kann.
  • Ich werde mich mehr zum Agile Coach entwickeln. Es gibt immer mehr Projekte bei uns, die mit agilen Methoden arbeiten wollen. Doch so viele Agile Master gibt es noch nicht. Ich will andere auf dem Weg dorthin begleiten, meine Erfahrungen weitergeben und ihnen helfen ihren ganz eigenen Weg zu finden.
  • Ich gehe weiter voran auf dem Weg einer friedvollen Elternschaft. Im nächsten Jahr will ich meinen Kinder, meinem Partner und auch mir selbst weniger wertend begegnen. Ich will mehr schauen, welche Bedürfnisse wir so haben und wie wir diese möglichst gut gestillt bekommen, so dass es allen gut geht.
  • Ich will ein paar Punkte meiner Bucketliste angehen. Wenn es Corona zulässt möchte ich beispielsweise Windsurfen ausprobieren. Ich stelle es mir wunderbar vor, das zu lernen. Also sollte ich dringend checken, ob es wirklich so viel Spaß macht.
  • Mein Wort für 2021 lautet “FOKUS”. Ihr seht schon an den wenigen Punkten, die ich aufgezählt habe, dass es eine ziemliche Bandbreite ist und es sicher ein leichtes wäre, sich dabei ohne Ende zu verzetteln. Wer mich kennt, weiß, dass ich 1000 Interessen und Ideen habe. Nächstes Jahr will ich lernen mich auf die zu konzentrieren, die mir am wichtigsten sind und diese dann auch “auf die Straße” zu bekommen.

Wie macht ihr das? Plant ihr euer Jahr? Habt ihr auch ein Wort des Jahres? Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf das Jahr 2021. Wenn etwas ähnlich Krasses wie eine weltweite Pandemie im nächsten Jahr neu dazukommt, überdenke ich mein Planen vielleicht doch nochmal. Versprochen.

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