Persönliches

Von 0 auf Karriere in 3 Kindern – was mir dieses Motto bedeutet

Erste Idee und erste Zweifel: Habe ich wirklich Karriere gemacht?

Wo kommt dieses Motto denn überhaupt her? Als ich zum ersten Mal mit Judith „Sympatexter“ Peters über meine Idee für diesen Blog gesprochen habe, meinte sie direkt „Von 0 auf Karriere in 3 Kindern wäre ein super Claim für deinen Blog“. Ich muss zugeben, ich dachte zuerst, brauche ich das denn überhaupt? Ich will doch mit diesem Blog nur eine wichtige Botschaft in die Welt bringen. Außerdem meldeten sich neben der Begeisterung über so viel spontane Kreativität auch bald schon leichte Zweifel: „Kann ich das denn so einfach behaupten? Karriere? Ist das denn eine echte Karriere? Gehört da so rein formal nicht noch mehr dazu?”

Na, das erste Argument war ganz einfach zu entkräften – ich will eine Botschaft in die Welt bringen. Da ist so ein Motto eine tolle Gelegenheit mit wenigen Worten klar zu machen, für was ich stehe, was mir wichtig ist. Will ich mir diese Gelegenheit wirklich entgehen lassen? Nein, natürlich nicht.

Beim zweiten Argument war es schon etwas schwieriger, das ist persönlicher und wie so oft macht es das komplizierter. Ja, in meinem Konzern ist „Karriere“ recht klar definiert und an ganz bestimmte Kriterien geknüpft. Diese erfülle ich – zumindest Stand heute (11/2020) – noch nicht so wirklich. Doch gleichzeitig habe ich einen Job von dem ich immer geträumt habe. Manchmal müsste es inzwischen wohl sogar heißen: “ein Job, von dem ich geträumt hätte” – hätte ich gewusst, dass es so etwas gibt. Ich habe soo viele Gestaltungsmöglichkeiten – wohl mehr als die meisten anderen Menschen in diesem Land in ihrem Job, wohl auch mehr als die meisten Menschen in meinem Unternehmen. Für mich persönlich ist das DAS Schlüsselelement für Karriere. Warum also sollte ich ausgerechnet in diesem Punkt meine persönliche Bewertung von den Werten anderer Menschen abhängig machen? Also JA, für mich ist das Karriere und ich bin immer wieder froh und dankbar, dass ich so einen tollen Job machen darf!

Doch nun zum eigentlichen Motto “Von 0 auf Karriere in 3 Kindern” – was genau bedeutet es mir? Dafür schauen wir uns mal jeden einzelnen Abschnitt an:

„Von 0“

Ja genauso hat es sich damals angefühlt – null – vielleicht sogar noch ein bisschen weniger. Ich war schwanger mit unserem ältesten Kind und hatte einen befristeten Vertrag. Ich ging (naiverweise?) davon aus, dass mir dieser natürlich weiter verlängert wird. Bis zu diesem Zeitpunkt war das bei allen Anderen (männlichen, daher nicht schwangeren…) mit vergleichbaren Verträgen schließlich auch so gehandhabt worden. Doch dann die Entscheidung „nein, wir stellen das um, das hat natürlich nichts mit deiner Schwangerschaft zu tun, diese Stellen sind ja nur für eine Promotion, die sollte einfach schneller fertig sein“. Damals gab es auch noch keinen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz und so pulverisierten sich all die Pläne über geteilte Care- und Erwerbsarbeit, die mein Mann und ich so gemacht hatten, und ich war zuhause mit unserem ersten Kind. So sehr ich mir vorstellen kann, dass Menschen genau das genießen, wenn sie sich eben dafür entscheiden, mir ging es mit dieser fremdbestimmten Entscheidung und vor allem mit der damit zusammenhängenden Unsicherheit nicht gut.

„auf Karriere“

Doch wo kam denn dann die Karriere her? Eines Tages entdeckte ich eine Ausschreibung, die so perfekt passte, dass ich meinen Mann weckte (der schlief nämlich schon) und ihm freudestrahlend erzählte, dass ich meine Stelle gefunden hätte. Er fand das zwar angesichts der Umstände etwas übertrieben. Schließlich hatte ich doch in der Schwangerschaft erst erlebt, dass bis zu echter Gleichberechtigung noch ein weiter Weg ist. Warum war ich mir da so sicher, dass es meine Stelle werden würde? Das weiß ich auch nicht. Doch schließlich wurde sie das. Am 01. August 2012 hatte ich meinen ersten Arbeitstag als Forschungsingenieurin in der zentralen Forschung eines großen Konzerns, meine erste „richtige“ Stelle in der freien Wirtschaft. Ich war glücklich, war das doch meine Traumstelle. Im Laufe der Jahre haben sich meine Aufgaben immer mehr gewandelt: ich begleite inzwischen Teams aus Forschenden statt selbst zu forschen. Ich probiere neue Methoden der Zusammenarbeit aus, statt neue Beschichtungsmethoden zu untersuchen. Ich kümmere mich darum, dass Menschen möglichst gut zusammenarbeiten und zwischenmenschliche Widerstände überwunden werden und nicht mehr darum, dass elektrische Kontakte möglichst wenig Widerstand aufweisen.

„in 3 Kindern“

Hm, drei Kinder – was hat das jetzt mit der Karriere zu tun? Während ich in den Jahren seit meinem Einstieg in den Konzern noch zwei weitere Kinder bekam, wandelten sich wie schon erwähnt auch meine Aufgaben. Viele denken sich dabei vielleicht, dass ich trotz meiner Kinder verantwortungsvolle Aufgaben übertragen bekommen habe. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass ich wegen meiner Kinder diese Aufgaben übernehmen konnte. Vieles von dem, was ich in meiner täglichen Arbeit brauche, übe ich seit 10 Jahren mit meinen Kindern. Vieles von dem, was mich als Person ausmacht, haben sie entscheidend mitgeprägt. Viele der wichtigen Soft Skills für Führungskräften habe ich durch sie gelernt oder zumindest trainiert. So viele Menschen, die unbezahlte Care-Arbeit zuhause übernehmen, erleben Ähnliches. Es wird Zeit, dass wir das in der Wirtschaft auch honorieren und nutzen.

Und du?

Daher lautet mein Motto für diesen Blog trotz anfänglicher Zweifel „Von 0 auf Karriere in drei Kindern“. Was sind deine Assoziationen, wenn du dieses Motto hörst? Erlebst du Kinder (auch) als Karriere-Boost? Wie sieht die Wertschätzung für Persönlichkeitsentwicklung durch Care-Arbeit in deinem Unternehmen aus? Ich bin gespannt auf deine Sicht!

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